Ratgeber Gewerbeanmeldung
Influencer Gewerbe anmelden: ab wann, wo und was du einträgst.
Keine Follower-Zahl und kein Umsatz entscheiden darüber, ob du ein Gewerbe anmelden musst, sondern der Beginn deiner Tätigkeit. Die Finanzverwaltungen der Länder sagen: Wer regelmäßig Content gegen Geld oder Produkte macht, betreibt ein Gewerbe. Hier steht, was die Gewerbeordnung und die Leitfäden verlangen, jeweils mit Fundstelle.
Stand: 6. November 2026 · 24 Quellen
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Die Grundregeln.
Vier Sätze aus Gewerbeordnung, Einkommensteuergesetz und Abgabenordnung.
Influencer Gewerbe anmelden: mit dem Beginn, nicht ab einer Grenze.
Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes anfängt, muss das der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen. Eine Umsatz-, Gewinn- oder Follower-Grenze kennt die Gewerbeordnung nicht.1
Content gegen Geld oder Produkte ist in der Regel Gewerbe.
Selbständig, nachhaltig, mit Gewinnerzielungsabsicht und am Markt: Dann liegt ein Gewerbebetrieb vor, es sei denn, es ist ein freier Beruf. Alle fünf Landesfinanzverwaltungen sehen regelmäßig tätige Influencer als Gewerbetreibende.2
Danach der Fragebogen, innerhalb eines Monats.
Die Gewerbeanmeldung geht an die Gemeinde, die das Finanzamt informiert. Zusätzlich übermittelst du dem Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung elektronisch über ELSTER, innerhalb eines Monats nach Beginn.3
Nicht anmelden ist eine Ordnungswidrigkeit.
Wer die Anzeige nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig erstattet, handelt ordnungswidrig; das Bußgeld kann bis zu 1.000 € betragen. Deine Steuerpflichten bestehen unabhängig davon.4
Gewerbe oder freier Beruf, Tätigkeit, IHK, Nebengewerbe.
Die Fragen, die beim Ausfüllen des Formulars kommen, und was die Quellen dazu sagen.
Gewerbe oder freier Beruf?
Freiberuflich sind unter anderem künstlerische, schriftstellerische und journalistische Tätigkeiten. Werbung für Marken fällt nach dem Einkommensteuer-Handbuch in der Regel darunter nicht: Werbeberater, Fotomodelle und Fotografen mit Werbeaufnahmen sind dort als Gewerbebetrieb aufgeführt; künstlerisch ist nur, was eigenschöpferisch ist und eine künstlerische Gestaltungshöhe erreicht. Ob ein Teil deiner Arbeit freiberuflich ist, klärt deine Steuerberatung.5
Was du als Tätigkeit einträgst
Keine offizielle Quelle schreibt eine Formulierung vor. Beschreibe, womit du Einnahmen erzielst, so wie die Finanzverwaltung NRW es aufzählt: Werbung, Sponsorings und Produktplatzierungen, Affiliate-Links und Rabattcodes, Merchandise, Coachings oder Onlinekurse. Kommt später etwas dazu, das für ein Gewerbe deiner Art nicht üblich ist, zeigst du die Erweiterung an.6
Der Gewerbeschein ist eine Empfangsbestätigung
Die Behörde bescheinigt innerhalb von drei Tagen den Empfang deiner Anzeige; das ist der Gewerbeschein. Eine Erlaubnis brauchst du nicht: Der Betrieb eines Gewerbes ist jedermann gestattet, soweit die Gewerbeordnung keine Ausnahme macht, und für Content macht sie keine.7
Die IHK-Mitgliedschaft kommt automatisch
Wer zur Gewerbesteuer veranlagt ist und eine Betriebsstätte im Bezirk hat, gehört der Industrie- und Handelskammer an. Beitragsfrei bist du als nicht im Handelsregister eingetragene Person, solange dein Gewerbeertrag oder Gewinn 5.200 € nicht übersteigt; Gründer ohne frühere Einkünfte aus Selbständigkeit sind in den ersten Jahren bis 25.000 € befreit.8
Nebengewerbe ist dieselbe Anmeldung
Die Gewerbeordnung unterscheidet nicht zwischen Haupt- und Nebengewerbe, und steuerlich spielt es keine Rolle, ob du hauptberuflich oder nur nebenbei Influencer bist. Du meldest dasselbe Gewerbe an und hast dieselben Pflichten.9
Gewerbe heißt nicht gleich Umsatzsteuer und Gewerbesteuer
Mit der Anmeldung zahlst du noch nichts. Deine Umsätze sind als Kleinunternehmer steuerfrei, solange du im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hast und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitest; Gewerbesteuer fällt erst über einem Gewerbeertrag von 24.500 € an.10
TikTok Shop, UGC, Follower: was die Regeln dazu sagen.
Keine offizielle Quelle nennt eine Follower-Zahl, ab der ein Gewerbe anzumelden ist, und keine einen TikTok-Shop-Umsatz. Die Gewerbeordnung knüpft an den Beginn des Betriebs an (§ 14 Abs. 1 Satz 1 GewO), das Einkommensteuerrecht an vier Merkmale: selbständig, nachhaltig, mit Gewinnerzielungsabsicht, am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt (§ 15 Abs. 2 Satz 1 EStG). Der Grundfreibetrag (§ 32a Abs. 1 EStG) und die Kleinunternehmer-Grenze (§ 19 UStG) regeln, ob und wie viel Steuer anfällt, nicht, ob du ein Gewerbe hast. Mehr dazu im Ratgeber zu Influencer Steuern.
TikTok Shop ohne Gewerbe? Provisionen aus Affiliate-Links sind Einnahmen, und Testmuster, die du behältst, sind es auch (Finanzverwaltung NRW; Hessisches Ministerium der Finanzen, Leitfaden Influencer, S. 2). Wer regelmäßig Produkte bewirbt und dafür Provision oder Produkte bekommt, erfüllt die Merkmale des Gewerbebetriebs. Was die Plattform für die Freischaltung verlangt, ist ihre Geschäftsbedingung, keine Rechtsvorschrift; die Anzeigepflicht nach § 14 GewO gilt unabhängig davon. Dass diese Regeln den TikTok Shop treffen, ist unsere Folgerung: Kein Leitfaden nennt ihn. Wie du Testmuster erfasst und bewertest, steht im Ratgeber zum Versteuern von Testmustern.
UGC Creator produzieren Videos für die Kanäle einer Marke, oft ohne eigene Reichweite. An den vier Merkmalen ändert das nichts: selbständig, wiederholt, gegen Honorar, für fremde Auftraggeber. Freiberuflich wäre die Arbeit nur als künstlerische Tätigkeit, und die verlangt nach dem Einkommensteuer-Handbuch eigenschöpferische Arbeiten mit künstlerischer Gestaltungshöhe; Werbeaufnahmen zählen dort zum Gewerbe (H 15.6 EStH). Die Leitfäden sprechen von Influencern, nicht von UGC; dass dieselben Regeln gelten, ist unsere Folgerung. Hast du eine künstlerische Ausbildung oder arbeitest redaktionell, lass die Einordnung von deiner Steuerberatung prüfen.
„Ich habe erst einen Deal.“ Wer nur in Einzelfällen als Influencer auftritt, hat sonstige Einkünfte, die unter 256 € im Jahr steuerfrei bleiben (§ 22 Nr. 3 Satz 2 EStG; Bayerisches Landesamt für Steuern, FAQ Influencer, S. 3). Ob daraus mit dem zweiten und dritten Deal ein Gewerbe wird, entscheidet die Nachhaltigkeit: eine Tätigkeit, die auf Wiederholung angelegt ist. Hessen rät, die Tätigkeit zeitnah beim Gewerbeamt anzumelden (Leitfaden Influencer, S. 3). Im Zweifel frag das Gewerbeamt oder deine Steuerberatung, bevor der nächste Deal kommt.
Nach der Anmeldung geht es weiter: Die Gemeinde unterrichtet das Finanzamt (§ 138 Abs. 1 Satz 1 AO), du übermittelst innerhalb eines Monats den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER (§ 138 Abs. 1b und Abs. 4 AO) und bekommst eine Steuernummer. Die IHK meldet sich (§ 2 Abs. 1 IHKG). Du zeichnest Einnahmen und Ausgaben auf und bewahrst Belege auf (§ 147 AO). Ziehst du um, erweiterst du den Gegenstand des Gewerbes oder gibst du auf, zeigst du auch das an (§ 14 Abs. 1 Satz 2 GewO).
Affliq führt dich mit der Gründungs-Checkliste durch die Schritte: Gewerbe anmelden oder freiberufliche Tätigkeit melden, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung mit der Frist von einem Monat ab deinem Startdatum, die Kleinunternehmer-Entscheidung, dein Rechtsprofil, dazu USt-IdNr. und Künstlersozialkasse, wenn sie für dich gelten, jeder Schritt mit dem Gesetz dahinter. Danach erfasst du Deals, Rechnungen mit dem richtigen Steuerfall, Produkte mit Wert und Auszahlungen, Affliq zählt die Kleinunternehmer-Grenze mit und packt am Jahresende das Paket für deine Steuerberatung, mit Buchungen im Format von DATEV, sevDesk oder lexoffice. Die Anmeldung selbst machst du beim Gewerbeamt, den Fragebogen in ELSTER; Affliq meldet nichts ans Finanzamt.
Affliq dokumentiert und rechnet vor, es berät nicht. Was wie versteuert wird, entscheidet deine Steuerberatung.
Häufige Fragen
Muss ich als Influencer ein Gewerbe anmelden?
Ja, wenn du regelmäßig Content veröffentlichst, dafür Geld oder Produkte bekommst und das selbständig mit Gewinnabsicht tust. Die Finanzverwaltung NRW schreibt: Aufgrund deiner Tätigkeit als Influencerin oder Influencer ist beim zuständigen Gewerbeamt dein Gewerbe anzumelden.11
Ab wann muss ich als Influencer ein Gewerbe anmelden?
Mit dem Beginn des Betriebs, also wenn du anfängst, Content gegen Geld oder Produkte zu machen. Eine Follower-Zahl oder ein Mindestumsatz steht in keiner offiziellen Quelle. Hessen rät, die Tätigkeit zeitnah anzumelden.1
Influencer: Gewerbe oder Freiberufler?
In der Regel Gewerbe. Freiberuflich sind künstlerische, schriftstellerische und journalistische Tätigkeiten; Werbung für Marken zählt das Einkommensteuer-Handbuch zum Gewerbebetrieb. Ob einzelne Teile deiner Arbeit freiberuflich sind, klärt deine Steuerberatung.12
Was trage ich bei der Gewerbeanmeldung als Tätigkeit ein?
Es gibt keine vorgeschriebene Formulierung. Beschreibe, womit du Einnahmen erzielst: Werbung und Produktplatzierungen in sozialen Medien, Affiliate-Marketing, Merchandise, Coachings. Fasse es weit genug, denn eine Ausdehnung auf nicht geschäftsübliche Leistungen musst du nachmelden.13
Brauche ich für den TikTok Shop ein Gewerbe?
Affiliate-Provisionen und behaltene Testmuster sind Einnahmen. Bewirbst du regelmäßig Produkte und bekommst dafür Provision oder Produkte, erfüllst du die Merkmale des Gewerbebetriebs, unabhängig davon, was TikTok für die Freischaltung verlangt. Dass das den TikTok Shop trifft, ist unsere Folgerung; kein Leitfaden nennt ihn.2
Muss ich als UGC Creator ein Gewerbe anmelden?
Nach unserer Lesung ja: Du arbeitest selbständig, wiederholt und gegen Honorar für Marken. Freiberuflich wäre nur eine künstlerische Tätigkeit mit eigenschöpferischer Gestaltungshöhe; Werbeaufnahmen zählt das Einkommensteuer-Handbuch zum Gewerbe. Die Leitfäden sprechen von Influencern; lass deine Einordnung von der Steuerberatung bestätigen.14
Reicht ein Nebengewerbe, wenn ich angestellt bin?
Ein Nebengewerbe ist rechtlich dasselbe Gewerbe mit derselben Anmeldung. Steuerlich spielt es keine Rolle, ob du hauptberuflich oder nur nebenbei Influencer bist; dein Gehalt und dein Gewinn werden für den Grundfreibetrag zusammengerechnet.9
Was passiert, wenn ich kein Gewerbe anmelde?
Die fehlende, falsche oder verspätete Anzeige ist eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld bis zu 1.000 €. Die Steuerpflicht bleibt davon unberührt: Wer seine steuerlichen Pflichten nicht erfüllt, riskiert laut Hessen neben der Nachzahlung Zinsen, Geldstrafen und in Extremfällen eine Freiheitsstrafe.4
Quellen
Gesetze und Verwaltungsanweisungen, Stand 6. November 2026. Steuerrecht ändert sich: Maßgeblich ist immer der aktuelle Gesetzestext, und was für dich gilt, klärt deine Steuerberatung.
- § 14 Abs. 1 Satz 1 GewO§ 14 GewO – Anzeigepflicht · gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz
- § 15 Abs. 2 Satz 1 EStG§ 15 EStG – Einkünfte aus Gewerbebetrieb
- § 138 Abs. 1 Satz 1, Abs. 1b und Abs. 4 AO§ 138 AO – Anzeigen über die Erwerbstätigkeit
- § 146 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b und Abs. 3 GewO§ 146 GewO – Bußgeldvorschriften
- § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG; H 15.6 EStHAmtliches Einkommensteuer-Handbuch 2025, H 15.6 – Abgrenzung selbständige Arbeit/Gewerbebetrieb · Bundesministerium der Finanzen
- § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 GewO; Finanzverwaltung NRW, Influencer & Steuern§ 14 GewO – Anzeigepflicht · gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz
- § 15 Abs. 1 GewO, § 1 Abs. 1 GewO§ 15 GewO – Empfangsbescheinigung, Betrieb ohne Zulassung
- § 2 Abs. 1 IHKG, § 3 Abs. 3 Satz 3 und 4 IHKG§ 2 IHKG – Kammerzugehörigkeit
- Finanzverwaltung NRW, Influencer & SteuernInfluencer & Steuern · Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen
- § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG, § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG§ 11 GewStG – Steuermesszahl und Steuermessbetrag
- Finanzverwaltung NRW, Influencer & Steuern; § 14 Abs. 1 Satz 1 GewOInfluencer & Steuern · Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen
- § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG; H 15.6 EStH§ 18 EStG – Selbständige Arbeit
- § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 GewO§ 14 GewO – Anzeigepflicht · gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz
- H 15.6 EStHAmtliches Einkommensteuer-Handbuch 2025, H 15.6 – Abgrenzung selbständige Arbeit/Gewerbebetrieb · Bundesministerium der Finanzen
Weitere Quellen
- § 1 GewO – Grundsatz der Gewerbefreiheit
- § 22 EStG – Arten der sonstigen Einkünfte
- § 32a EStG – Einkommensteuertarif
- § 147 AO – Ordnungsvorschriften für die Aufbewahrung von Unterlagen
- § 3 IHKG – Beiträge
- § 19 UStG – Steuerbefreiung für Kleinunternehmer
- Leitfaden zur Besteuerung von Influencerinnen und InfluencernHessisches Ministerium der Finanzen, Stand Juni 2026
- FAQ „Ich bin Influencer – Muss ich Steuern zahlen?“Bayerisches Landesamt für Steuern
- Steuerguide für Influencerinnen und InfluencerMinisterium für Finanzen Baden-Württemberg, Stand 2025
- FAQ Social-Media-Akteure (Influencer/in)Senatsverwaltung für Finanzen Berlin
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