Ratgeber Nebenberuf
Influencer nebenberuflich: was neben deinem Job steuerlich gilt.
Du arbeitest angestellt und verdienst nebenbei mit TikTok Shop, Kooperationen oder Testmustern? Dann hast du in der Regel ein Nebengewerbe. Dein Job bleibt, wie er ist; dazu kommen eine Gewerbeanmeldung, eine Steuererklärung und ein paar Grenzen, die du kennen solltest. Hier steht, was gilt, jeweils mit Fundstelle.
Stand: 7. November 2026 · 19 Quellen
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Die Grundregeln.
Vier Sätze aus Gesetzen und den Leitfäden der Finanzverwaltung.
Regelmäßig nebenbei heißt in der Regel Gewerbe.
Wer regelmäßig als Creator Geld oder Produkte bekommt, erzielt nach Auffassung der Finanzverwaltung Einkünfte aus Gewerbebetrieb, auch wenn das neben dem Job passiert.1
Angemeldet wird zu Beginn, nicht ab einem Umsatz.
Wer ein Gewerbe beginnt, muss es gleichzeitig beim Gewerbeamt anzeigen. Eine Ausnahme für Nebengewerbe oder kleine Beträge kennt die Gewerbeordnung nicht.2
Steuererklärung ab 410 € Gewinn.
Als Arbeitnehmer musst du eine Einkommensteuererklärung abgeben, wenn deine Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug, etwa der Gewinn aus dem Gewerbe, zusammen mehr als 410 € im Jahr betragen. Es zählt der Gewinn, nicht der Umsatz.3
Gewinn und Gehalt landen in einem Topf.
Dein Gewinn wird zu deinem Arbeitslohn addiert, und auf die Summe gilt der progressive Tarif. Der Grundfreibetrag von 12.348 € (2026) ist durch dein Gehalt meist schon verbraucht, deshalb wird der Gewinn mit deinem persönlichen Grenzsteuersatz besteuert.4
Grenzen und Sonderfälle.
Was bei Nebeneinkünften gilt, was Kleinunternehmer heißt und worauf du in der Elternzeit achtest.
Härteausgleich bis 820 €
Liegen deine Nebeneinkünfte bei höchstens 410 €, werden sie vom Einkommen wieder abgezogen, wenn du ohnehin veranlagt wirst. Zwischen 410 € und 820 € wird der Abzug stufenweise kleiner. Steuerfrei sind sie damit nicht automatisch, sie wirken nur abgemildert.5
Kleinunternehmer ist kein Gegensatz zum Gewerbe
Die Kleinunternehmerregelung ist eine reine Umsatzsteuerregel: Lag dein Umsatz im Vorjahr bei höchstens 25.000 € und bleibt er im laufenden Jahr bei höchstens 100.000 €, berechnest du keine Umsatzsteuer. Dein Gewerbe brauchst du trotzdem, und Einkommensteuer zahlst du auch.6
Gewerbesteuer erst ab 24.500 €
Für natürliche Personen wird der Gewerbeertrag um einen Freibetrag von 24.500 € gekürzt. Bleibt dein Nebengewerbe darunter, fällt in der Regel keine Gewerbesteuer an.7
Elektronisch und mit Anlage EÜR
Mit Gewinn aus einem Gewerbe übermittelst du die Steuererklärung elektronisch, den Gewinn nach amtlichem Datensatz als Anlage EÜR, etwa über ELSTER. Ohne Steuerberatung ist die Erklärung sieben Monate nach Jahresende fällig, für 2025 also am 31. Juli 2026.8
In der Elternzeit: Zustimmung und 32 Stunden
Während der Elternzeit darfst du im Monatsdurchschnitt höchstens 32 Wochenstunden erwerbstätig sein. Eine selbständige Tätigkeit braucht die Zustimmung deines Arbeitgebers; er kann sie nur innerhalb von vier Wochen aus dringenden betrieblichen Gründen in Textform verweigern.9
Elterngeld: der Gewinn zählt mit
Gewinn aus deinem Gewerbe zählt beim Elterngeld als Einkommen und mindert es in den Monaten, in denen du es beziehst. Als Betriebsausgaben werden dabei pauschal 25 % der Einnahmen angesetzt, auf Antrag die tatsächlichen.10
Was das für Creator neben dem Job heißt.
Die häufigste Annahme lautet: „Ein Gewerbe melde ich an, wenn ich richtig Geld verdiene.“ Die Gewerbeordnung knüpft aber an den Beginn der Tätigkeit an, nicht an einen Betrag (§ 14 GewO). Und auch Testmuster, die du behältst, sind nach Auffassung der Finanzverwaltung Einnahmen, obwohl kein Geld fließt (Hessisches Ministerium der Finanzen, Leitfaden Influencer, S. 2 f.). Wer viele Muster bekommt, hat deshalb oft schon im ersten Jahr einen Gewinn, der über die 410-€-Grenze geht.
Weil dein Gehalt den Grundfreibetrag in der Regel schon ausschöpft, kostet jeder Euro Gewinn Steuern zu deinem Grenzsteuersatz. Darauf ist der Lohnsteuerabzug deines Jobs nicht eingestellt. Nach der ersten Veranlagung setzt das Finanzamt deshalb oft Vorauszahlungen fest, viermal im Jahr am 10. März, Juni, September und Dezember, sobald sie mindestens 400 € im Jahr und 100 € je Termin betragen (§ 37 Abs. 1 und 5 EStG). Wer davon nichts weiß, erlebt eine Nachzahlung für das Vorjahr und die ersten Vorauszahlungen gleichzeitig.
Bei der Krankenversicherung ändert ein Nebengewerbe in der Regel nichts: Nur wer hauptberuflich selbständig ist, ist als Arbeitnehmer nicht versicherungspflichtig (§ 5 Abs. 5 SGB V). Ob deine Tätigkeit hauptberuflich ist, entscheidet im Zweifel deine Krankenkasse. Was dein Arbeitsvertrag zu Nebentätigkeiten sagt, lies dort nach; ein Gesetz, das Creator-Nebenjobs allgemein regelt, gibt es nicht.
Affliq hält Deals, Provisionen, Testmuster und Ausgaben deines Nebengewerbes fest, zeigt deinen laufenden Gewinn, die Kleinunternehmer-Grenze und eine Rücklage für die Steuer, und legt am Jahresende alles für die Anlage EÜR bereit. Wie viel Steuer bei dir anfällt, rechnet deine Steuerberatung.
Affliq dokumentiert und rechnet vor, es berät nicht. Was wie versteuert wird, entscheidet deine Steuerberatung.
Häufige Fragen
Muss ich ein Gewerbe anmelden, wenn ich nur nebenbei Influencer bin?
In der Regel ja. Wer regelmäßig als Creator Geld oder Produkte bekommt, betreibt nach Auffassung der Finanzverwaltung ein Gewerbe, und die Gewerbeordnung verlangt die Anzeige bei Beginn, ohne Ausnahme für Nebengewerbe.2
Ab wann muss ich als Angestellter mit Nebengewerbe eine Steuererklärung machen?
Sobald dein Gewinn und andere Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug zusammen mehr als 410 € im Jahr betragen. Darunter bist du nicht verpflichtet, kannst aber freiwillig abgeben.3
Sind Nebeneinkünfte bis 410 € steuerfrei?
Nicht ganz. Werden sie veranlagt, zieht das Finanzamt Nebeneinkünfte bis 410 € vom Einkommen wieder ab (Härteausgleich), zwischen 410 € und 820 € stufenweise weniger. Für die Umsatzsteuer und die Kleinunternehmer-Grenze spielt das keine Rolle.11
Wird mein TikTok-Shop-Einkommen mit meinem Gehalt zusammen versteuert?
Ja. Gewinn und Arbeitslohn werden zusammengerechnet, und auf das gesamte zu versteuernde Einkommen gilt der progressive Tarif. Deshalb ist der Steuersatz auf den Gewinn meist höher, als viele erwarten.12
Was ist besser: Kleinunternehmer oder Gewerbe?
Das ist keine Entweder-oder-Frage. Das Gewerbe ist die Anmeldung deiner Tätigkeit; die Kleinunternehmerregelung entscheidet nur, ob du Umsatzsteuer berechnest. Sie gilt, solange dein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 € betrug und im laufenden Jahr 100.000 € nicht übersteigt, und auf Testmuster zählt ihr Wert mit.6
Darf ich in der Elternzeit Creator sein?
Ja, mit höchstens 32 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt und mit Zustimmung deines Arbeitgebers, der sie nur binnen vier Wochen aus dringenden betrieblichen Gründen verweigern kann. Dein Gewinn mindert das Elterngeld in den Bezugsmonaten.9
Muss ich mich wegen des Nebengewerbes selbst krankenversichern?
In der Regel nicht. Die Versicherungspflicht als Arbeitnehmer entfällt nur, wenn du hauptberuflich selbständig bist. Im Zweifel klärt das deine Krankenkasse.13
Quellen
Gesetze und Verwaltungsanweisungen, Stand 7. November 2026. Steuerrecht ändert sich: Maßgeblich ist immer der aktuelle Gesetzestext, und was für dich gilt, klärt deine Steuerberatung.
- Hessisches Ministerium der Finanzen, Leitfaden Influencer, S. 1Leitfaden zur Besteuerung von Influencerinnen und Influencern · Hessisches Ministerium der Finanzen, Stand Juni 2026
- § 14 Abs. 1 Satz 1 GewO
- § 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG
- § 2 Abs. 1 EStG, § 32a Abs. 1 EStG
- § 46 Abs. 3 und 5 EStG, § 70 EStDV
- § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG
- § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG
- § 25 Abs. 4 EStG, § 60 Abs. 4 EStDV, § 149 Abs. 2 AO
- § 15 Abs. 4 BEEG
- § 2 Abs. 3 BEEG, § 2d BEEG
- § 46 Abs. 3 und 5 EStG, § 70 EStDV
- § 2 Abs. 1 EStG, § 32a EStG
- § 5 Abs. 5 SGB V
Weitere Quellen
- FAQ „Ich bin Influencer – Muss ich Steuern zahlen?“Bayerisches Landesamt für Steuern, Stand August 2026
- Influencer & SteuernFinanzverwaltung Nordrhein-Westfalen
- § 37 EStG – Einkommensteuer-Vorauszahlung
- § 149 AO – Abgabe der Steuererklärungen
- § 60 EStDV – Unterlagen zur Steuererklärung
- § 2 BEEG – Höhe des Elterngeldes
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